Bewertungsmethoden im Überblick: So wird ein Unternehmen bewertet

Zur Bewertung eines Unternehmens gibt es drei gängige Ansätze: das Multiplikatorverfahren, das Ertragswertverfahren und die DCF-Methode. Das Multiplikatorverfahren ist bei kleineren und mittleren Firmen der Klassiker, die beiden anderen kommen eher bei größeren oder komplexeren Deals zum Einsatz. Dieser Beitrag erklärt jede Methode verständlich, zeigt, wann welche passt, und warum am Ende trotzdem der Käufer den Preis bestimmt.

Bewertung klingt nach hoher Mathematik und geheimem Gutachterwissen. Ist es aber nicht. Im Kern geht es immer um dieselbe simple Frage: Wie viel Geld wird dieses Unternehmen in Zukunft einbringen, und was ist dieses zukünftige Geld heute wert? Alles andere sind nur unterschiedliche Wege, dieselbe Frage zu beantworten. Lassen Sie sich von den Fachbegriffen also nicht einschüchtern.

Wie funktioniert das Multiplikatorverfahren?

Es nimmt eine Kennzahl und multipliziert sie mit einem Faktor. Fertig. Das ist die einfachste und in der Praxis mit Abstand häufigste Methode. Man nimmt eine zentrale Kennzahl des Unternehmens, meist den Umsatz oder den Gewinn, und multipliziert sie mit dem Multiplikator. Ein Unternehmen mit einer Million Gewinn und einem Faktor von fünf landet so rechnerisch bei fünf Millionen. So weit die Grundschulmathematik.

Der Faktor fällt aber nicht vom Himmel, er kommt aus vergleichbaren Verkäufen am Markt. Man schaut, was für ähnliche Unternehmen in ähnlicher Lage gezahlt wurde, und leitet daraus ab, was für Ihres realistisch ist. Beim Gewinn nimmt man dafür oft das EBITDA, also den Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen, weil diese Kennzahl die operative Ertragskraft am ehrlichsten zeigt. Bei Software-Unternehmen läuft die Rechnung anders, da zählt meist der Umsatz statt des Gewinns. Warum das so ist und wie es genau funktioniert, steht im Beitrag zur SaaS-Bewertung.

→ Beitrag: Wie werden SaaS-Unternehmen bewertet?

→ Glossar: EBITDA

→ Glossar: Multiplikator

Wie funktioniert das Ertragswertverfahren?

Es schaut auf die künftigen Erträge und rechnet sie auf heute zurück. Statt eine aktuelle Kennzahl mit einem Faktor zu multiplizieren, schätzt das Ertragswertverfahren, welche Erträge das Unternehmen in den kommenden Jahren abwirft. Diese künftigen Erträge werden dann auf ihren heutigen Wert umgerechnet.

Warum umgerechnet? Weil Geld in der Zukunft weniger wert ist als Geld heute. Tausend Euro in fünf Jahren sind heute weniger wert als tausend Euro sofort, wegen Zins, Risiko und der schlichten Unsicherheit, ob sie überhaupt kommen. Das Verfahren rechnet genau das ein. Es ist gründlicher als das Multiplikatorverfahren, aber auch aufwendiger und steht und fällt mit den Annahmen über die Zukunft. Wer die Prognose zu rosig ansetzt, rechnet sich reich und wacht in der Verhandlung unsanft auf.

Wie funktioniert die DCF-Methode?

Ähnlich wie das Ertragswertverfahren, nur mit den echten Zahlungsströmen. DCF steht für Discounted Cash Flow, also abgezinster Zahlungsstrom. Die Methode schätzt, wie viel Geld tatsächlich ins Unternehmen hinein- und wieder herausfließt, und rechnet diese künftigen Zahlungsströme auf den heutigen Wert zurück, genau wie das Ertragswertverfahren mit den Erträgen.

Der Unterschied steckt im Detail: DCF schaut auf das echte Geld, das fließt, nicht auf den bilanziellen Gewinn, der sich schönrechnen lässt. Das macht die Methode in der Theorie sehr präzise, in der Praxis aber auch mimosenhaft. Kleine Änderungen bei der Prognose oder beim Abzinsungssatz drehen das Ergebnis kräftig. DCF ist mächtig, aber kein Taschenrechner-Trick für den Küchentisch, sondern Arbeit für Profis.

Welche Methode ist die richtige?

Selten nur eine. In der Praxis nutzen Käufer und Berater mehrere Methoden parallel und gleichen die Ergebnisse ab. Landen verschiedene Ansätze in einer ähnlichen Spanne, ist das ein gutes Zeichen. Klaffen sie weit auseinander, sollten Sie genau wissen, warum, sonst tut es der Käufer für Sie, und zwar zu Ihren Ungunsten.

Für kleinere und mittlere IT- und Software-Unternehmen ist das Multiplikatorverfahren fast immer der Ausgangspunkt, weil es schnell, marktnah und nachvollziehbar ist. Die anderen Verfahren kommen dazu, je größer und komplexer der Deal wird. Für alle gilt am Ende dasselbe, ohne Ausnahme: Sie liefern eine Einschätzung, keinen festen Preis. Den macht die Verhandlung.

→ Beitrag: Unternehmenswert oder Kaufpreis, wo liegt der Unterschied?

Und jetzt?

Sie kennen jetzt die drei gängigen Bewertungsmethoden und wissen, dass keine davon eine Zahl aus dem Automaten spuckt. Für Ihr Unternehmen kommt es darauf an, welche Kennzahlen im Vordergrund stehen, und das hängt am Geschäftsmodell.

Wenn Sie ein Software- oder SaaS-Unternehmen führen, lohnt der Blick auf die Bewertung mit Umsatz-Multiplikatoren und ARR. Wenn Sie im IT-Service unterwegs sind, gelten eigene Spielregeln. Und wenn Sie keine Lust auf Rechenspiele haben und einfach wissen wollen, was Ihres wert ist, reden wir.

→ Beitrag: Wie werden SaaS-Unternehmen bewertet?

→ Beitrag: Wie werden IT-Service-Unternehmen bewertet?